Magazin

Holz oder Kunststoff: Was ist in der Küche wirklich hygienischer?

Kunststoff wirkt sauberer, weil er in die Spülmaschine darf. Die Forschung zeichnet ein anderes Bild — und der entscheidende Faktor ist ohnehin ein anderer.

Holz oder Kunststoff: Was ist in der Küche wirklich hygienischer?

Die Intuition sagt: Kunststoff ist hygienischer. Glatte Oberfläche, Spülmaschine, kein „lebendiges» Material. Holz dagegen — porös, saugfähig, irgendwie organisch. Die Intuition liegt in diesem Fall daneben.

Was die Forschung zeigt

Die bekanntesten Untersuchungen dazu stammen von der University of Wisconsin aus den 1990er-Jahren: Forscher kontaminierten Holz- und Kunststoffbretter gezielt mit Salmonellen und anderen Keimen. Auf Holz sank die Zahl der nachweisbaren Bakterien innert Minuten drastisch — auf Kunststoff blieben sie stabil und liessen sich aus gebrauchten, zerkratzten Brettern auch durch Abwaschen nicht zuverlässig entfernen.

Der Grund ist die Struktur: Die Kapillaren des Holzes ziehen Feuchtigkeit — samt Bakterien — von der Oberfläche ins Innere. Dort finden die Keime weder Wasser noch Nährstoffe und sterben ab. Eiche bringt zusätzlich Gerbstoffe mit, die antibakteriell wirken; thermisch behandelte Esche entzieht Keimen durch die reduzierte Wasseraufnahme zusätzlich die Lebensgrundlage.

Kunststoff hat diesen Mechanismus nicht. Und seine Achillesferse sind die Schnittrillen: In den Furchen eines gebrauchten Bretts sitzen Keime geschützt vor Schwamm und Spülmittel. Eine Spülmaschine hilft — aber nur, wenn das Brett nach jedem Gebrauch tatsächlich hineinwandert.

Der Faktor, der wirklich zählt

Wichtiger als das Material ist die Trockenheit. Bakterien brauchen Feuchtigkeit — ein trockenes Brett ist ein sicheres Brett, egal woraus es besteht. Deshalb ist die wichtigste Hygieneregel keine Materialfrage, sondern eine Gewohnheit: Nach dem Spülen aufrecht hinstellen, damit beide Seiten trocknen können. Ein flach liegendes Brett bleibt an der Unterseite stundenlang feucht — das ist der eigentliche Risikofaktor in der Küche.

Ein Holzbrett, das aufrecht trocknet, ist hygienischer als ein Kunststoffbrett, das flach auf der Arbeitsfläche liegen bleibt.

Eine Regel gilt für beide Materialien

Für rohes Fleisch, Geflügel und Fisch gehört ein eigenes Brett in jede Küche — nicht, weil das Material versagt, sondern weil Kreuzkontamination schneller passiert als jede Unterlage Keime abbauen kann. Wer auf demselben Brett erst Poulet und dann Salat schneidet, hat ein Problem, das kein Werkstoff der Welt löst.

Unser Fazit

Wie Sie ein Holzbrett in vier Handgriffen pflegen, steht in der Pflegeanleitung. Und falls Sie noch das passende Brett suchen: der Brettfinder hilft bei der Wahl — mit Begründung statt Bauchgefühl.